Bukarest, 1995. Herr Ion lebt seit sieben Jahren mit einer Schuld, die seine Frau und sein Sohn ihm nicht verzeihen können. An der Seite seiner ihn böse anschweigenden Gattin versucht er, in diesem emotionalen Vakuum einen halbwegs normalen Alltag aufrechtzuerhalten. Mit der Vergangenheit alleingelassen, ist er vergeblich bemüht, sich und die anderen von seinem guten Willen zu überzeugen. Ganz unverhofft jedoch bietet sich die große Chance auf Wiedergutmachung in Form einer Ehrenmedaille, die die Regierung Ion für Verdienste im Zweiten Weltkrieg verleiht.

Zunächst ist der alte Mann irritiert, weil er sich keiner Heldentat bewusst ist. Doch die Aussicht auf Anerkennung und die nachträgliche Glorifizierung seiner Vergangenheit, die so schwer auf ihm lastet, macht Ion erfinderisch. Retrospektiv deutet er eine Episode aus seiner Soldatenzeit zur kriegsentscheidenden List um und beginnt, sich die Geschichte selbst zu glauben. Sein neugewonnenes Selbstvertrauen sorgt dafür, dass nach und nach das sprichwörtliche Eis zwischen den Eheleuten und dem in Kanada lebenden Sohn zu tauen beginnt. Als der Selbstbetrug aufzufliegen droht, klammert sich Ion verzweifelt an seine Medaille, unfähig zu erkennen, dass allein die Überwindung seiner Sturköpfigkeit die Familie wieder vereinen kann.

In Călin Peter Netzers neuem Film steht ein Vater im Mittelpunkt, der verzweifelt um Anerkennung und um die Beziehung zu seinen Nächsten ringt. Dem Regisseur gelingt, ganz im Stil der neuen rumänischen Welle, ein rührendes und zutiefst menschliches Drama, voller subtiler Beobachtungsgabe und feinem Humor.

Trailer:
https://vimeo.com/41411228