Mit hochgesteckten Zielen kehrt Anberber nach vielen Jahren in sein Heimatdorf in Äthiopien zurück. Seine Mutter empfängt ihn überglücklich und am Abend findet ein Begrüßungsfest mit allen Dorfbewohnern für den Heimkehrer statt – viele erwarten sich Großes von dem studierten Mediziner und setzen Hoffnungen in ihn. Doch die Ausgelassenheit findet ein jähes Ende als Regierungstruppen in das Dorf einrücken und sofort beginnen, Jugendliche zu rekrutieren. Denn das Land rüstet sich für den Krieg.

Anberbers Hoffnungen, seine Forschungen in der Heimat fortzusetzen und so einen Beitrag für die Entwicklung des Landes zu leisten, drohen sich zu zerschlagen. Denn der Aufruhr, der das Land seiner Kindheit fest im Griff hält, lässt kaum Zeit und noch weniger Raum für wissenschaftliche Ambitionen. Und auch vor dem zurückgezogenen Dorf, in dem Anberber aufgewachsen ist, machen die politischen Entwicklungen keinen Halt. Die Dinge scheinen sich in eine Richtung zu entwickeln, die sich verselbständigt hat und kaum noch beeinflussbar sind.

Anberber zieht sich immer mehr in sich selbst zurück, in Kindheitserinnerungen und an die Zeit, in der noch alles offen war. Auch in seinem Dorf hat sich viel geändert und ebenso ist Anberbers Blick durch die vielen Jahre im Ausland ein anderer geworden. Und so gibt es die Bilder des Vergangenen nur noch an einem Ort – in ihm selbst.

Anberber lässt sich gefangen nehmen von den Plätzen und Erlebnissen seiner Kindheit, die ihm unwillkürlich in den Sinn kommen, wenn er durch die Landschaften seiner Vergangenheit streift. Hier sieht er sich als Junge den Sonnaufgang ungeduldig erwarten, mit den anderen Kindern am Lagerfeuer sitzen oder in der religiösen Feier den Choral singen. Anberber ist geblendet von vorbewussten Verstrickungen mit dem Ort seiner Vergangenheit, mit dem er verwachsen ist. Und wenn er sich irgendwann doch wieder der Realität stellen muss, scheint die Erinnerung nur umso intensiver hinter seinen Lidern zu brennen. Davon befreien kann er sich aus eigener Kraft nicht. Und so wird auch Anberbers Verhältnis zu anderen immer schwieriger. Die Gemeinschaft erwartet von ihm Verantwortung und einen gewissen Grad an Selbstaufgabe, um für die Gemeinschaft da zu sein.

Anberber soll seine ärztlichen Pflichten erfüllen. Seine Verwandten wollen Anberber mit einer Jungfrau verheiraten. Er will nichts davon wissen, öffnet sich vielmehr der vom Dorf geächteten, aber treuen Pflegerin seiner Mutter. Ein dunkles Geheimnis in ihrer Vergangenheit treibt Azanu ebenso wie Anberber an den Rand des Kollektivs. Dieser Rand wird zum Ort, an dem sie sich treffen, an dem sie sich immer mehr zueinander hingezogen fühlen. Anberber begegnet auch den Einstellungen der Gemeinschaft mit immer größer werdendem Befremden. Während die Männer aus dem Dorf eben die geheiligte Gemeinschaft im harmonischen Choral besingt, stehen sie dem Schrei, der jeden Morgen aus Anberbers Zimmer dringt, mit ebenjenem Misstrauen gegenüber, das Anberber aus dem Gottesdienst treibt, nachdem er den heiligen Boden der Messe mit seinen Schuhen entweiht hat.

Gerade in einer Kultur der Oralität, die Regisseur Gerima mit einem intensiven Score in Szene setzt, wird der Schrei zur Störung schlechthin. Nachts suchen Anberber zunehmend Alpträume heim. Er kann sich nicht mehr erinnern, unter welchen Umständen er sich seine schwere Beinverletzung zugezogen hat. Als er sich mehr und mehr in einer anderen Welt zu verlieren scheint und die Stimmen der Vergangenheit aus seinem Kopf nicht mehr verbannen kann, beschließt seine Mutter endlich, zu handeln: sie unterzieht ihn einer Reinigungszeremonie, der einen faszinierenden Bilderstrom der Erinnerungen an seine früheste Vergangenheit und der Momente in seiner Geschichte zu Tage fördert. Sie führen zurück in die Zeit seiner Politisierung als Student, eine Zeit der Verstrickungen zwischen der europäischen und afrikanischen Geschichte, die bis in die Gegenwart reichen.

Köln, 1970. Während Äthiopien noch unter dem Regime Selassies steht, engagiert sich Anberber aus dem Ausland heraus und mit Unterstützung seiner Freunde für die Befreiung von der Monarchie und ein sozialistisches System in der Heimat. Nach dem Sturz Selassies 1974 will sich sein engster Freund Tesfaye in Äthiopien am Neuanfang unter den Kommunisten beteiligen. Tesfaye lässt seine Frau und seinen Sohn in Deutschland zurück und macht sich auf den Weg. Einige Zeit später folgt Anberber ihm in die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba. Gemeinsam wollen die Freunde ihre Kenntnisse in den Dienst des Landes stellen. Doch allzu schnell erkennt Anberber, dass Äthiopien nicht das stabile und sichere Land geworden ist, das der Monarchie folgen sollte. Es herrscht große Anspannung, wer nicht linientreu ist, riskiert sein Leben.

Anberber stellt fest, dass es keinen Ort mehr auf der Welt gibt, an den er wirklich gehört. Er muss „Wohnung beziehen in der Heimatlosigkeit“ (Vilèm Flusser). Der Ort seiner Herkunft verschließt sich seiner Gestaltung, andere Mächte herrschen nun hier. Anberber sieht keine Möglichkeit mehr, den Ort zu bearbeiten, von dem er hoffte, er würde ihm Ankunft gewähren. Unter dem Einfluss der nun Herrschenden bekommen Dörfer, Städte und Regionen ganz andere Bedeutungen – Deutungen, die dem Wünschen und Wollen Anberbers diametral entgegenstehen. Doch nicht nur seine Gestaltungsfreiheit an dem Ort, der Heimat sein sollte, ist bedroht. Auch kann Anberber schon längst nicht mehr frei wählen, an wen er sich bindet, wer Freund und wer Vertrauter sein will. Denn auch die Beziehungen der Menschen sind der Deutungshoheit des Machtapparats ausgesetzt, werden von ihm unterwandert.

Anberber findet sich und seine verloren geglaubte Heimat erst in dem Moment, in dem er in der Lage ist, die Wahrheit mit allen Schmerzen zu ertragen. Als er nicht mehr fliehen will, sondern bleibt, beginnt eine fast magische Verwandlung. Er stellt sich den Bedürfnissen der Menschen. Er beginnt die Kinder zu unterrichten und kann sich endlich durchdringen, einen schwerverwundeten Jungen zu verarzten. Dadurch findet er Wertschätzung. Ein weiteres Stück Heimat findet er, als er sich behutsam Azanu öffnet. Bei ihr findet er Ruhe für seinen aufgewühlten Gemütszustand und Liebe. Diese Liebe, trägt die Zukunft in sich. Azanu ist schwanger. Er wird doch noch zum Motor, der aktiv eine Verbesserung der Lebensumstände einleitet. Im persönlichen Handeln liegt für ihn die Befreiung.