HAILE GERIMA ist ein unabhängiger Filmemacher, der 1946 in Äthiopien geboren wurde. Seine Ausbildung zum Regisseur begann in Gondar, Äthiopien, seinem Geburtsort, wo er vor dem Feuer saß, vertieft in die Geschichten, die Eltern und Grosseltern ihm erzählten. Sein Vater, ein Bühnendichter, übte womöglich den größten Einfluss auf ihn aus. 1968, im Alter von 21 Jahren, emigrierte er in die Vereinigten Staaten.

„Ich wollte am Theater arbeiten, es wäre mir nie eingefallen, dass ich einmal Filmemacher werden würde, denn ich hatte keine Lust, den Unterwürfigen zu spielen“, sagte er gegenüber der Los Angeles Times. Doch dieses Los blieb ihm auch bei den Theaterproduktionen nicht erspart und er wandte sich enttäuscht davon ab. Um 1970 entdeckte er die Macht des Kinos. Er nahm seine Studien in der Goodman School of Drama in Chicago auf, die er später an der University of Southern California, Los Angeles (UCLA) weiterführte. Seit 1975 ist Haile Gerima Honorarprofessor an der Howard University in Washington, DC.

1972 beendete Gerima seine ersten Filme „Hour Glass“ und „Child of Resistance“. 1976 stellte er „Bush Mama“ fertig. Die Washington Post meinte: „‚Bush Mama‘ ist ein Film, den man sehen muss… Dieser Film knistert vor Energie. Der Zorn erschüttert jeden Rahmen.“ Im selben Jahr feierte „Harvest: 3000 Years“ Premiere, ein Film, der in der Critic’s Choice im Rahmen des Cannes Film Festival aufgeführt wurde und folgende Preise gewann: George Sadoul Award; Grand Prize/Silver Leopard, Locarno Film Festival; Grand Primo Award, Festival International de Cinema, Figueroa da Foz in Portugal. In den USA erhielt er den Oscar Micheaux Award for Best Feature Film an der Black Filmmakers Hall of Fame. 2006 wurde die überarbeitete Version von „Harvest: 3000 Years“ von Martin Scorsese im Rahmen des Cannes Film Festival in der Official Selection / Cannes Classics vorgeführt.

1978 beendete Gerima seinen ersten Dokumentarfilm „Wilmington“. Darauf folgten „After Winter: Sterling Brown“ (1985), „Imperfect Journey“ (1994) und „Adwa – An African Victory“ (1999). Haile Gerima ist vielleicht am besten bekannt als Drehbuchautor, Produzent und Regisseur von „Sankofa“ (1993). Die Erzählung über afrikanischen Widerstand gegen die Sklaverei lief im Wettbewerb der Berlinale und bekam begeisterten internationalen Beifall. Filmografie 2008 Morgentau 1999 Adwa – An African Victory 1994 Imperfect Journey 1993 Sankofa 1985 After Winter: Sterling Brown 1982 Ashes and Embers 1978 Wilmington 1976 Harvest: 3000 Years 1976 Bush Mama 1972 Child Of Resistance 1972 Hour Glass

Haile Gerima zu MORGENTAU:

Identität und Befreiung sind der entscheidende Fokus für meine Vorstellung von unabhängigem Filmschaffen. Die eigene Geschichte zu erzählen bedeutet, seinen Namen auf der Geschichtskarte zu hinterlassen. Und dass man dabei die Vorfahren ehrt ist sehr wichtig, um zu gewährleisten, dass künftige Generationen eine Dokumentation und Grundlage für ihren eigenen Lebensentwurf haben. Die Geschichte, die Kultur und das sozialökonomische Wohlbefinden aller Leute afrikanischer Herkunft ist mein primäres Anliegen – die allergrößte Motivation für mich als Filmemacher ist, dass sie dabei ihre Menschlichkeit bewahren können.